Der umgestürzte Baum und seine Folgen

Die durch den Klimawandel bedingten immer heftiger werdenden Stürme führen auch zu einer Bedrohung des Grundeigentums. Es entstehen nicht nur Schäden an den Gebäuden. Wir stellen auch immer mehr Eingriffe in die Natur fest.
Bäume sind an sich für Wasserhaushalt und Klima nützlich. Sie werden jedoch zu einem Problem, wenn ein solches Gewächs umstürzt.

Mit einem solchen Fall hatten wir uns zu beschäftigen.

A ist Eigentümer eines Hausgrundstückes. B ist sein Nachbar.
Auf dem Grundstück des A war eine Tanne gepflanzt mit einem Grenzabstand von über 4 Meter und einer Höhe von etwa 15 Meter. Anlässlich eines Sturmes im Frühjahr 2019 stürzte der Flachwurzler um. Die Baumkrone landete auf dem Grundstück des B und richtete dort Schaden an.

Der dem B gehörende Grenzzaun wurde zerstört ebenso das Dach eines in Grenznähe befindlichen Schuppens.

Die Frage, die an uns gestellt wurde, welche Ansprüche hat B eigentlich.

Thema Beseitigung der Baumkrone

Hier hat B gegen A einen Anspruch auf Beseitigung des Baumes, und zwar bezüglich der Teile, die auf seinem Grundstück gelandet sind.

Thema Schadenersatz wegen der beschädigten Gegenstände (Zaun und Schuppen)

Wir denken an drei Anspruchsvarianten.

Erste Variante

Den Eigentümer eines Baumes trifft die Verkehrssicherungspflicht. Einmal im Jahr muss er die Pflanze dahingehend inspizieren, ob sie verkehrssicher ist.

  • Sind bereits Äste abgestorben?
  • Gibt es Anzeichen dafür, dass der Stamm durch Krankheitsbefall instabil wurde?

Unterlässt der Eigentümer des Baumes die Überprüfung, so haftet er gemäß §823 BGB, das heißt, wenn wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht, bedingt durch die Mängel am Baum, Dritte in ihrer Gesundheit oder ihrem Eigentum geschädigt werden.

Zweite Variante

Das OLG Düsseldorf Az. 4U73/01 bejaht auch eine Haftung des Baumeigentümers, wenn er Baum zwar keine Merkmale von Defiziten aufweist. Alles ist vergänglich. Auch ein Baum lebt nicht ewig. Stürzt er Altersbedingt um muss sein Eigentümer für die hieraus entstehenden Folgen geradestehen.

Dritte Variante

Diese Fallgestaltung ist hier gegeben.

Ein gesunder Baum verliert seinen Halt.

Entwurzelt ihn ein Orkan so liegt höhere Gewalt vor.
Grundsätzlich trifft für diesen Fall die Verkehrssicherungspflichtigen keine Haftung. Das ist die allgemeine Regel. Im Verhältnis zu Grundstücksnachbarn gibt es eine Besonderheit. In unserem Fall konnte der B nichts dagegen unternehmen, dass auf dem Nachbargrundstück des A eine Tanne wächst. Sie hatte – wie oben erwähnt – den vom Gesetz vorgeschriebenen Abstand von 4 Metern zu der Grundstücksgrenze. Auch bezüglich der Höhe gab es nichts zu beanstanden. Dennoch ist eine Haftung zu bejahen.
Stürzt bei dieser Konstellation in folge höherer Gewalt der Baum auf das Nachbargrundstück, so hat der geschädigte Nachbar einen sogenannten zivilrechtlichen Aufopferungsanspruch.

Es gilt §906 Abs. 2 BGB analog. Nach dieser Vorschrift hat der geschädigte Nachbar einen Anspruch auf eine  
angemessene Entschädigung.
Und wie hoch ist diese?
Man geht von der vollen Schadenshaftung gemäß §249 BGB aus (Palandt/Herrler BGB 78. Auflage Randziffer 29).

 

HoffmannRechtsanwalt Hans-Joachim Hoffmann
Geschäftsführender Vorsitzender Haus und Grund Saarbrücken

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