Heizungserneuerung: Was will ich? Was ist machbar?

Der eigentliche Heizungstausch ist oft eine Sache von wenigen Tagen. Die Vorbereitungen dafür können dagegen Monate in Anspruch nehmen. Das liegt zum einen daran, dass sich die Entscheidung für eine bestimmte Technik angesichts der Vielzahl der Systeme für einen Laien schwierig gestaltet. Nicht selten müssen im Planungsstadium mehrere Experten hinzugezogen werden. Daneben verlängert die derzeit hohe Auslastung der Handwerksbetriebe die Vorlaufzeit.

Neben einem Gas- oder Öl-Brennwertkessel kann eine Pelletheizung, eine Wärmepumpe, eine Solaranlage, ein stromerzeugendes Heizgerät oder auch eine Kombination verschiedener Energieträger infrage kommen.

Planung Schritt für Schritt

„Der erste Schritt ist die Klärung der eigenen Positionen“, erläutert Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima und zählt einige richtungsweisende Fragen auf: „Will ich nur heizen? Oder mehr – kühlen, Strom aus der PV-Anlage nutzen? Will ich der Umwelt etwas Gutes tun? Oder geht es nur um Kosten?“ Als nächstes gilt es zu prüfen, was im Gebäude machbar ist. Ob eine Gasleitung vorhanden oder eine gute Abdeckung durch Pelletlieferanten gegeben ist, kann der Bauherr alleine in Erfahrung bringen. Doch mit technischen Details oder einem Systemvergleich ist der Laie in der Regel überfordert. „Dafür braucht er fachkundige Hilfe von einem Installateur oder einem Energieberater“, betont Experte Wagnitz. Je umfassender der Bauherr sich im Vorfeld bereits informiert und unter Umständen einzelne Systeme bereits ausgeschlossen hat, umso gezielter kann er Experten für seine Wunschanlage suchen. Gemeinsam geht es dann an den Detailvergleich.

Heizungssysteme im Vergleich

„Wer einen Systemwechsel scheut, kann natürlich nach dem Motto „quadratisch – praktisch – gut“ auf einen Gas- oder Öl-Brennwertkessel setzen“, sagt Matthias Wagnitz. Die platzsparenden, vergleichsweise günstigen Geräte sind für nahezu alle Einsatzbereiche geeignet. Wer erstmals auf Brennwert setzt, muss einen Abwasseranschluss schaffen und die Abgasleitung erneuern lassen. Schlecht kalkulierbar ist jedoch, wie sich die Preise für die fossilen Energieträger verändern werden, wenn eine CO2-Bepreisung kommt.

Im Mehrfamilienhaus ist Brennwerttechnik mit Gas oder Öl oft die einzige praktikable Option. „Dort ist der vorhandene Platz in der Regel der limitierende Faktor: Der Speicher für eine Solarthermieanlage oder eine Wärmepumpe, die viele Wohneinheiten versorgen soll, lässt sich im vorhandenen Keller oft nicht unterbringen, ein Pelletlager genauso wenig“, gibt der Fachmann zu bedenken.

Im Einfamilienhaus hingegen gibt es diverse Möglichkeiten, erneuerbare Energien einzusetzen. Ein Holzpelletkessel ist ähnlich komfortabel wie ein Gas- oder Öl-Brennwertgerät, jedoch deutlich teurer in der Anschaffung. Dafür sind die Presslinge aus Holzresten wesentlich günstiger und zudem weitgehend CO2-neutral. Unverzichtbar für eine Pelletheizung ist ein ausreichend großer, trockener Lagerraum. Eine thermische Solaranlage ist als alleiniger Wärmelieferant aufgrund der ungleichmäßigen Verfügbarkeit der Sonnenenergie in der Regel nicht geeignet. Sie kann jedoch im Duo mit einem Brennwertkessel die Warmwasserbereitung übernehmen und die Heizung unterstützen. Planung, Dimensionierung und Abstimmung der einzelnen Komponenten sowie die Installation einer Solaranlage erfordern allerdings einigen Aufwand. Eine Wärmepumpe scheitert im Bestand oftmals am Wohnumfeld: Nicht überall ist es technisch möglich oder genehmigungsfähig, eine Wärmequelle (Erdreich, Grundwasser, Luft) zu erschließen. Hinzu kommt, dass dieses System mit niedrigen Heizwassertemperaturen besonders effizient arbeitet. Die sind in gut gedämmten Gebäuden mit großflächigen Heizkörpern gesichert, im Bestand oft nicht.

Keine Planung ohne Heizlastberechnung

Sie ist Voraussetzung für die Auslegung der Heizkörpergrößen, die Festlegung der Vorlauf- und Rücklauftemperatur und die Dimensionierung des Wärmeerzeugers. „Eine einmal berechnete notwendige Leistung kann nur dann eins zu eins als Kenngröße für die neue Heizung übernommen werden, wenn die Heizung zum damaligen Zeitpunkt richtig ausgelegt und außerdem seither keine Modernisierung durchgeführt wurde“, erklärt Stefan Materne, Experte der Energieberatung der Verbraucherzentrale.

Sonderfall stromerzeugende Heizung

Blockheizkraftwerke mit Verbrennungsmotoren sowie Brennstoffzellen beheizen das Haus und geben zusätzlich elektrische Energie ab. Voraussetzung für hohe Einsparungen ist ein hoher Stromverbrauch.

Handwerker im Vergleich

Was die Preise und die Handwerkerauslastung angeht, gibt es regional erhebliche Unterschiede. „Für Bauherren führt deshalb eigentlich kein Weg daran vorbei, mehrere Angebote einzuholen“, rät Verbraucherschützer Materne. Im Idealfall werden dafür Firmen angefragt, die bereits mehrere vergleichbare Anlagen gebaut haben. „Die Angebote sollten möglichst detailliert aufgestellt sein und die identischen Positionen enthalten, damit sie auch vergleichbar sind.“

Geld vom Staat

Die eigenen Kosten für die Heizungserneuerung lassen sich in vielen Fällen mit Fördermitteln deutlich senken. Von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gibt es Zuschüsse in Höhe von mindestens zehn Prozent (KfW-Programm 430) oder Kredite mit 7,5 Prozent Tilgungszuschuss (KfW-Programm 152). Wer auf eine Holzheizung, Solaranlage oder Wärmepumpe setzt, bekommt hohe Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Regionale Programme sind in der Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums zu finden. Der Antrag auf Förderung muss immer vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Einzelheiten regeln die Förderbedingungen.

Mehr Infos im Netz unter:

www.kfw.de

www.bafa.de

www.foerderdatenbank.de

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